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01. November 2020

Interview zu Instifolio

Der Indexdienstleister LIXX bietet eine neue Finanz-Plattform, die sich an professionelle Anleger wie Vermögensverwalter
wendet. Dazu im Interview (erschienen im private-banker-Magazin):  Markus Fehn (Geschäftsführer LIXX-Index Innovation), Daniel Maier und Axel Mielke von Chartered Investment Germany über ihr Angebot.

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Private Banker: Ihr Unternehmen betreibt die Finanz-Plattform Instifolio? Was ist das?

Markus Fehn: Was glauben Sie?

PB: So etwas wie Wikifolio für Institutionelle Anleger?

MF: Nicht schlecht. LIXX bietet eine Plattform für institutionelle Finanzakteure, die Ihre Strategie einem breiteren Publikum zugänglich machen wollen. Zudem will ich als Anleger sicher sein, dass mein Geld von einem Profi verwaltet wird. Deswegen Instifolio.

PB: Bitte einmal von vorn. Ein Vermögensverwalter hat eine Strategie, die er auf Ihrer Plattform veröffentlichen möchte. Was könnte das zum Beispiel sein?

MF: Ein Vermögensverwalter hat häufig mehrere Wege wie er seine Vermögensanlage anbietet. Die Betreuung von Direktmandaten oder auch einen oder mehrere Fonds. Daneben gibt es häufig ein Spezialthema, wie beispielsweise eine Handelsstrategie. Dieses kann er nun als Index berechnet und verwaltet haben, um sein Profil zu schärfen, aber auch um weitere Zugangswege zu seiner Strategie zu bieten.

Axel Mielke: Auf unserer Plattform haben wir mittlerweile ein breites Spektrum von solchen Spezialthemen. Von Nachhaltigkeitsinstifolios bis zu optionsbasierten Handelsansätzen.

PB: Häufig hört man in diesem Zusammenhang auch den Namen des Handelsspezialisten Interactive Brokers. Wir haben auch eine Pressemeldung mit Interactive Brokers und Ihnen gefunden, wie passt das zusammen?

AM: Wir beobachten, dass viele Vermögenverwalter gerade optionsbasierte Handelsstrategien bei entsprechend spezialisierten Brokern umsetzen. Die Zusammenarbeit mit Interactive Brokers befruchtet auch das Thema Instifolio, da wir hierdurch weitere Partner für Instifolios gewinnen konnten.

PB: Legen Sie mit einem Instifolio sofort ein Zertifikat auf?

Daniel Maier: Nein, zunächst richten wir ein Instifolio ein. Hierzu greifen wir entweder auf ein bestehendes Mandat zurück, dessen Strategie bereits umgesetzt wird, oder wir berechnen dieses anhand eines fiktiven Depots. Anleger können diese Strategie ansehen und gegen eine Lizenz-Gebühr nachvollziehen. Das Machen vor allem Investoren, die gerne selbst die Kontrolle behalten möchten und jede Transaktion für sich absegnen oder weiteres Expertenwissen und Anlageideen einbeziehen wollen.

PB: Kostet das etwas?

MF: Ja, wir bekommen eine kleine Gebühr für den Betrieb der Plattform, insbesondere für die Berechnung und Verwaltung des Index.

PB: Was ist eine kleine Gebühr? Vielleicht 250,- Euro pro Monat?

MF: So etwa in dieser Größenordnung, ja.

AM: Und der Vermögensverwalter erhält Gebühren von den Nutzern, die die Strategie des Verwalters nachvollziehen wollen. Die werden komplett individuell ausgehandelt und sind natürlich auch von der Größe des investierten Kapitals und der Nutzung der Information abhängig. Möchte ein Anleger ein Thema vollständig umsetzen, könnte man als Hausnummer bei einem Kapital von unter einer Million Euro vielleicht von 75 Basispunkten ausgehen, ab zwei Millionen reduziert sich das dann auf 50 Basispunkte.

PB: Wann wird ein Zertifikat aufgelegt?

DM: Wenn der Vermögensverwalter in Abstimmung mit Investoren dies möchte.

PB: Ab welcher Summe ist es denn interessant?

DM: Es hängt natürlich in hohem Maße von der Strategie ab, aber bei einer Standard-Renten-Strategie könnte das vielleicht ab zwei Millionen Euro interessant sein.

PB: Nennen Sie doch einmal ein Beispiel für eine Realisierung.

DM: Für den Schweizer Vermögensverwalter iGravity, einen Nachhaltigkeits-Spezialisten, berechnen wir den iGravity Impact Investing Index. Dem können Interessierte folgen. Und iGravity kann damit auch einen Erfolgs-Nachweis seines Ansatzes aufzeigen.

AM: Gerade bei Nachhaltigkeitsinvestments ist es schwierig, interessante Produkte zu finden. Da ist es schon sehr hilfreich, auf den Marktüberblick eines Spezialisten bauen zu können.

PB: Auf der Website www.instifolio.com findet man nur eine knappe Beschreibung der Indizes. Um weitere Informationen zu erhalten, muss man sich anmelden. Was sieht man denn kostenfrei nach einer Anmeldung?

DM: Bisher haben wir uns darauf fokussiert, Partner für die Instifolios zu gewinnen, also das Schaufenster zu füllen. Mit über 20 Partnern waren wir hier schon sehr erfolgreich. Aktuell sind im öffentlichen Bereich die Namen aller bisher aufgelegten Instifolios sichtbar. Performance oder historische Anpassungen der Instifolios gibts nur im Nutzerbereich. In der aktuellen Beta Version erweitern wir dies um ein Profil des Instifolio-Managers und die Möglichkeit für Nutzer wie in einer Ausschreibung Kriterien (z.B. Aktien, Renten etc.) vorzugeben, um eine Empfehlung für ein Instifolio zu erhalten. Auch im Login Bereich tut sich noch einiges, um hier bestmöglich ein Instifolio nachzuvollziehen und die Chancen und Risiken der Strategie zu verstehen.

PB: LIXX ist ja der erste in Deutschland durch die BaFin registrierte EU-Benchmark Indexadministrator. Wie passt Instifolio zu Ihrer Unternehmensstrategie?

MF: Im Rahmen des Registrierungsprozesses haben wir viel Entwicklungsarbeit in Prozesse und Systeme investiert. Dieses nun für weitere Produkte neben der Verwaltung von Benchmarkindizes zu nutzen, ist ein logischer nächster Schritt, der unsere Partner dabei unterstützen soll, ihr Geschäft weiterzuentwickeln.